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Bericht Team 2

wurde beim einheimischen Pfleger Camano nur 3x gemacht, danach war das Programm voll. Es wurden nur noch Patienten genommen, die die Filter durchbrochen hatten oder uns auffielen. Letztendlich herrschte das Zufallsprinzip. Hoher Druck der Patienten. Jeder wollte seine kleine Hernie beseitigt haben. Wir waren der Meinung, dass Hernien für den fast gleichen Preis auch in Dabola operiert werden können. Eine allgemeine Sprechstunde wurde von uns abgelehnt, weil wir bei Fieber, Bauchschmerzen usw sowieso nicht primär helfen konnten. Wir wollten nur Patienten nehmen, die Pleger Camano uns zugewiesen hatte. Natürlich kamen dann mit Beziehung und/oder Geld auch viele aus Conakry.

Patienten mit großen Befunden hatten eine bessere Chance gesehen zu werden. Gut klappte auch die gezielte Vorstellung von Notfällen - frischen Frakturen und Infekten. Allgemein Kranke wurden an Camano verwiesen, der die lokale Diagnostik besser als wir beherrschte. Eine Frau vom befreundeten würzburger Verein, der im Nordwesten des Landes tätig ist, wurde operiert. Mehr waren angekündigt kamen aber nicht.

Wir waren immer auf der Suche nach den Mund-Kiefer-Gaumen Patienten. Die Auswahl erfolgte häufig nur nach in Augenscheinnahme. Patienten, die in Guinea einfach nicht versorgt werden können. Z.B Tumore, Frakturen. Deswegen wurden weniger Hämorrhoiden und Leistenhernien operiert. Diskutiert muss nach wie vor, dass die Strumen OPs nur kosmetischer Art sind. Besonders auf dem Hintergrund der aufgetretenen Komplikationen.

Kinder gab es diesmal weniger, bzw erreichten uns nicht.

OP Betrieb

Bis zu 10 Punkte am Tag nach dem Einspielen des Teams waren auf Grund des Ansturms der Patenten möglich. Geschafft hatten wir eine hohe Anzahl von Vollnarkosen durch Parallelbetrieb in 2 Sälen. Neu waren auch die Spinalanästhesien bei Kindern bis hin zum Kaudalblock. Die überlappenden Wechsel waren eine Herausforderung.

Die Fälle

Schon früh haben wir einen jungen Mann mit einem kopfgroßen bösartigen Tumor im Gesäß eingeplant. Er konnte nicht mehr Sitzen und schlecht Laufen durch Nervenkompression. Der Tumor war nach einer Platin Monotherapie explodiert. Die Histologie lautete embryonales Karzinom. Der Tumor schien mäßig beweglich und in der Gesäßmuskulatur entstanden. Die Entfernung misslang wegen einer zu starken Vaskularisation und einer nach zentral nicht abzugrenzenden Größe. Der Pat. verblutete in tabula.

1 myxoides Chondrosarkom konnte durch eine wide excision mit Rippenresektion befriedigend operiert werden.

Ein Tumor-probe am Sprunggelenk ergab keinen bösartigen Sarkom sondern ein Chondrom

MKG:

Eine Vorauswahl MKG-chirurgischer Fälle war getätigt worden. Weitere Patienten stellten sich im Verlauf des Aufenthaltes vor. Neben Halszysten wurden 3 Speicheldrüsentumoren operiert, 2 davon mit einer lateralen Parotidektomie unter Nerverhalt. Bei einem Patienten musste eine totale Parotidektomie durchgeführt und der Nervus facialis mit reseziert werden. Der Augenast wurde rekonstruiert. Interessanterweise waren die Tumoren gutartig.

Eine Patientin mit einer Gesichts Dysmorphie(Fehlbildung) wurde aufgrund des hohen Leidensdruckes operiert, wobei nur wenige ästhetische Verbesserungen durch knöcherne Resektionen und Weichgewebeanpassung erreicht werden konnten.

Ein Orbitatumor (pleomorphes Adenom) wurde reseziert, die Augenachse korrigiert, zum Glück hatte die Patientin nach der Operation keine Doppelbilder.

Zwei Spaltpatienten konnten operiert werden, eine primäre Lippenplastik mit Osteoplastik und ein sekundärer Gaumenspaltverschluß.

Mehrere ausgedehnte Keloide, z.T. mit fistelnden Prozesse, wurden entfernt und z.T. mit Lappenplastiken gedeckt. Außerdem wurden Patienten mit Hämangiomen bzw. AV-Malformationen operiert.

Probleme hatten wir mit der Bruchsackresektion im Hodensack. Nur sehr schwer lässt sich der Bruchsack/Processus bei großen skrotalen Hernien ab einer Länge von 40cm entfernen, teilweise haben wir den Rest nach Winkelmann vernäht, was auch zur Serombildung geführt hat. Die Versorgung und das direkte postoperative Ergebnis war meist unbefriedigend.

Eine Patientin stellte sich vor zur ReReSectio. Hierbei zeigte sich die Uterusvorderwand komplett dehiscent/rupturiert, d. h. der Kopf war unter dem Peritoneum sichtbar.

Stielgedrehtes 40cm cystisches Ovar, mit tagelangen erheblichen Schmerzen bei Teil Nekrose, war einer der wenigen Notfälle.

Auffallend viele, reiche Patienten kamen aus Conakry, teilweise auch Mali, die dort in Koolo 4-6 Wochen warten.

Interessant war die Unfallchirurgie. Die fehlverheilten Frakturen haben wir alle weggeschickt, eine Korrekturosteotomie/Verlängerung ist in Guinea nicht möglich. Auch Camano kommt mit seiner Unterfalschgelenkbildung gut zurecht. Interessant ist wie viele Oberschenkelbrüche ohne jede Therapie ausheilen. Probleme gibt es nur wenn eine offene Fraktur vorliegt mit anschließender Osteomyelitis. Hier half das Röntgen aus Dabola um Sequester zu finden und zu entfernen. Am eindruckvollsten war ein 6 Monate altes Kind. Bei dem die gesamte vordere Tibia sequestriert war, der Rest (als Totenlade) aber fest.

Die häufigen keloidartigen Narbenwucherungen scheinen doch eine etwas andere Genese zu haben als in Deutschland. Wieder haben wir Gewebe aus dem Gesicht (Bild) untersucht. Hier imponiert eine schwere floride, granulierende, fibrosierende Entzündung. Dies erklärt die Schmerzhaftigkeit und auch die fortschreitende Größenzunahme. Wahrscheinlich liegen alte Verletzungen vor, die zu dieser Infektion führten. Die Exzision scheint die einzig sinnvolle Therapie zu sein, aber mit entsprechender Zurückhaltung. Aber die häufigen postop. Infektionen wären so auch erklärt. In Tansania konnte ich eine ähnliche histologische Befunde mitbringen. Natürlich existiert auch die genetische Prädisposition. Bin gespannt wie sie werden. Z B der Patient von 2017, bei den Wundheilungsstörungen

Komplikationen

  • Ein Pat. (s.o.) starb bei Inoperabilität, hier konnte die OP nicht abgebrochen werden, es gab einfach kein zurück.

  • Strumen: 2 Stimmbandnervenläsionen, 1 Abszess, 2 Revisionspflichtige Blutungen

  • Hierzu kann ich immer nur wieder betonen, dass die subtotale Strumektomie mehr Sicherheit für den Recurrens bietet. Interessant werden die Erfahrungen des 3. Teams

  • 1 Infizierte Hernie mit Sekundärheilung, 1 Abszess aus 2017 in der Leiste

  • 1 Skrotalabszess = Revision

  • Sekundärheilung nach plastischer Keloidexcision, wahrscheinlich stand die Haut unter zu grosser Spannung.

  • Mehrere oberflächliche Wundinfekte/Deshiscenzen im Gesicht.

  • Ein grosses Nackenlipom mit Sekundärheilung, wahrscheinlich durch Hämatom und Spannung der entfernten Haut.

  • Interessant ist hierbei, dass sich im Kopf/Halsbereich doch mehr Infekte herausbilden als in Deutschland. Das war 2017 so und hat sich jetzt auch wieder bestätigt. Abszess nach Schilddrüsen OP ist hier eine Rarität. Dagegen erstaunlich die wenigen Hoden-und Leisten Abszesse trotz der Hämatome und Serome.

  • Die Netzimplantation scheint zwar die Serome zu erhöhen, aber auch infizierte Netze heilen aus, wie hier auch. Auch ohne VAC. Situation in Krankenhaus Dabola

Grundlage war der Besuch des Teams und Einblick in das laufende Geschäft.

Insgesamt ein trauriger Eindruck. Viel Dreck, wenig Schwestern. Lustlose Gesamtsituation. Der Neubau stagniert. Positiv war, dass Dr. Moumini ein 2. Arzt zur Seite steht und angelernt wird. Er muss also nicht mehr zur jeder Sectio kommen. Aber weiterhin dreckige Instrumente im OP und eine Waschküche…. Unwürdige Situation einer Patientin, die gerade operiert wurde.

Der OP Tisch ist nicht ausgetauscht „weil ein Bügel fehle“ im anderen Saal wackelt der alte OP Tisch wie 2017 und ist noch immer verdreckt. Keine positiven Veränderungen, nur Forderungen nach „alles neu“.

Dr. Moumini Diallo wirkt eher überfordert und nicht strukturiert. „Alle Probleme lösen sich mit dem Umzug in das neue Gebäude“. Es scheitert nicht an zu wenig Personal, sondern am Wille strukturelle Änderungen zu wollen und durchzusetzen. Dies kam sehr deutlich bei einem Gespräch mit dem medizinischen Direktor zu Tage. Eine Zusammenarbeit ist nur in Verbindung mit einer grundlegenden Änderung möglich. Auch das Kommen von Moumini nach Koolo dient eher dem Abstauben als etwas lernen zu wollen.

Ausbildung vor Ort

Dies ist für uns eine sinnvolle, nachhaltige Arbeit. Ausbildung lokaler medizinischer Kräfte.

Chirurg Dr. Foudi Camara aus Donka. Bei seiner Hospitation, sagt er, habe er so viel gelernt, wie in seiner ganzen Ausbildung nicht. Sinnvolle Fortbildung.

Dr. Moumini Diallo war einige Tage bei uns, hier ist keine Fortentwicklung zu sehen.

Dr. Abdoulay (Struma aus 2017) war während aller 3 Teams in Koolo. angestellt, da er momentan keine Stelle hat. Er war sehr engagiert. Positiv im Patienten Management. Medizinisch gibt es nur bescheidene Fortschritte.

Camano macht sein Ding. Gute Diagnostik. Hat uns gezielt Patienten mit vernünftigen Fragestellungen zugeführt. Er ist ein guter Filter. Er betreut jetzt die Schwangeren mit dem Dopton.

Vorschläge für die Zukunft

Unsere Vorschläge:

Weiter OPs durchführen, die in Guinea nicht möglich sind. D.h. Ausbau der Tumorchirurgie, septische Knochenchirurgie, Fortführung der Mund-Kiefer-Gaumen OPs. Das Problem ist die Sammlung und Planung, weil niemand uns diese Patienten gezielt einsammelt und zuführt. In der Menge der Hernien und Strumen gehen nicht so fordernde Patienten eher unter.

Dann Fortsetzung der Ausbildung lokaler Kräfte Aber vorher abgesprochen und auf die Sinnhaftigkeit untersucht.

Technische Verbesserungen:

Den Monitor im grossen Saal ersetzen mit gleichem Typ wie im kl. Saal. Aber bitte neue Geräte kaufen.

Dann die Zahl der oszillometrischen Blutdruckmanschetten – für alle Säle gleich bestellen. Zahl der Kindermanschetten erhöhen.

Den 2. OP Tisch viell

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