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Mango 2019 Team 2

Bericht Team 2 Koolo Hinde 2019

Wir starten in Conakry, der Hauptstadt Guineas, im Hotel Mariador. Hier treffen sich die frisch angereisten Teammitglieder aus Deutschland und Franz Henrich, der bereits eine Woche mit Angelika Trabert in Conakry für den Verein Sundjata unterwegs waren.

Es fehlen nur zwei Mitglieder aus Süddeutschland, die mit der Air France von München über Paris anreisen sollten. Der Flieger fiel aus, Ersatzmaschine einen Tag später über Dubai! So starten wir die Überlandfahrt am Sonntag ins Bergland nach Koolo Hinde nur mit zwei GIZ-Pickups. Der dritte folgt Montag mit dem Rest.

Nachdem wir wieder schon in Dogomet, 10 km vor unserm Zielort von der Straße her mit „Mango-Mango-Rufen“ begrüßt werden, kommen uns in Koolo Hinde die Kinder entgegengelaufen. Das erste Team hat uns unsere Bleibe für die nächsten drei Wochen perfekt überlassen und so konnten wir montags mit der Arbeit auch ohne die noch Fehlenden zügig beginnen. Neben den Einräumarbeiten der Materialien, die wir in unserem Gepäck mitgebracht haben, werden die Übergabeunterlagen durchgearbeitet, die überlassenen Patienten visitiert und das OP-Programm für den nächsten Tag festgelegt. Die Sprechstunde zur Rekrutierung der neuen Patienten wollten wir nicht mehr im „Poste“ (dem örtlichen benachbarten Gesundheitsposten der Gemeinde) durchführen, sondern im Untersuchungsraum unseres OP-Zentrums. Hier haben wir mehr Platz, alle Verbandsmaterialien sind vorhanden und eine bessere Vernetzung mit dem laufenden OP-Programm ist möglich. Da wir im Team drei chirurgische Kollegen waren und diesen Raum nicht für gynäkologische Untersuchungen brauchten, konnten zwei Kollegen parallel operieren und der Dritte Sprechstunde machen. So konnten wir uns schneller absprechen, konnten uns freier bewegen und waren nicht auf kurze Sprechstundenzeiten im „Poste“ angewiesen. Auch die Zusammenarbeit mit den anästhesiologischen Kolleginnen funktionierte so reibungsloser, da diese auch mal nebenher die präoperative Untersuchung erledigen konnten.

Die Operations-Statistik der beiden Teams zeigt vermehrte Wundrevisionen im zweiten Team, was allerdings auch Primär-Operationen vom ersten Team umfasst. Die Gewichtung zwischen Leisten-/Skrotalhernien und Strumen lag bei uns im Vergleich zu Team 1 mehr auf der Hernienseite. Das würden wir aus chirurgischer Sicht auch als sinnvoll erachten, weil die komplikationsrate der nicht operierten, potentiell inkarzerierenden Hernien wesentliche größer ist. So konnte eine inkarzerierte Inguinalhernie gleich am 2.Tag operiert werden. Von inguinal gelang die Resektion des inkarzerierten Dünndarmabschnittes. Eine frühzeitig durchgeführte Revisions-OP wegen akutem Abdomen und mechanischem Ileus rettete den jungen, kachektischen Patienten.

Eine weise Entscheidung wurde während einer komplizierten Struma-Operation getroffen. Da der Rekurrensbefund nach Exstirpation einer Seite unklar blieb, wurde die Versorgung der Gegenseite auf den nächsten Tag verschoben, als klar wurde, dass der Rekurrens-Nerv nicht beschädigt war.

Ein Beispiel für die Begrenzung unserer chirurgischen Möglichkeiten war ein junger Mann mit einem thorakalen Rezidiv-Tumor. Der sog. Sanduhrtumor konnte nur palliativ in Rippenhöhe extrathorakal abgetragen werden. Für eine Sanierung fehlten nicht nur die minimalsten präoperativen bildgebenden Unterlagen, sondern auch das perioperative Equipment für eine ausgedehnte Thorakotomie.

Eingeschränkt waren wir auch (weiterhin) in der Versorgung unfallchirurgischer Krankheitsbilder. Obwohl mit viel kommunikativem und organisatorischem Aufwand Bestandteile einer Fixateur externe-Ausstattung beigeschafft wurden, konnten wir uns nicht zu einer Anwendung durchringen, obwohl darin erfahrene Kollegen vorhanden waren. Ein Fall, bei dem die Anwendung diskutiert wurde, war die verunfallte Mutter eines von uns behandelten kleinen Jungen mit einem Oberschenkelsequester. Die Mutter hatte von dem gemeinsam erlittenen Motorradunfall im September vergangenen Jahres eine Oberschenkel- und Unterschenkelfraktur links davongetragen. Abgesehen davon, dass sie erst zum Ende unseres Einsatzes kam, waren die vorhandenen Röntgenbilder katastrophal.

Ein Problem waren die beiden vorgenommenen Hauttransplantationen. Unser Versuch, die Operationen mit dem mangelhaften und inkompletten Dermatomgerät zum Erfolg zu bringen, scheiterte und wurde durch offene Wundbehandlung weitergeführt. Hier sollte nachgerüstet werden.

Von unseren 53 Hernien-Operationen ist eine Leisten- und Skrotalhernie bei einem 128-kg Patienten sekundär verheilt und ebenfalls eine von 14 Schilddrüsen-Operationen. Trotzdem ist die postoperative Wundinfektion ein Problem, welches wir besprochen haben. Es sollten Wege gefunden werden, eine Art Validierung des Steris zu ermöglichen und die abgelaufenen Produkte sicher zu entfernen. Auf die Einhaltung der üblichen Hygienestandards muss ebenso immer wieder hingewiesen werden.

Eine große Freude bereitete uns der Erfolg unserer Gynabteilung. Unsere Hebamme hatte die Geburtenfrage unter ihrer sicheren Kontrolle und konnte uns Chirurgen zu den 5 Sectiones und den VE’s versiert einsetzen. Die Zusammenarbeit von ihr mit den einheimischen Hebammen war ebenfalls professionell, wobei diese vielen Vorstellungen aus unserem westlichen Blickwinkel heraus einfach resistent sind. Ein wichtiger Punkt, der in unserem Umgang mit der Bevölkerung und der einheimischen Mitarbeitern immer wieder berücksichtigt werden muss. Aber zu jeder Tages- und Nachtzeit standen wir im Grunde gynäkologisch-geburtshilflich auf der Matte.

Wir besuchten das Kreiskrankenhaus in Dabola und den Poste de Santé in Dogomet. Diese Besuche waren sehr wertvoll, nicht nur aus dem Grunde, weil wir erleben durften, dass öffentliche Einrichtungen in Guinea durch Sauberkeit bestechen können, sondern auch weil wir glauben, dass hier noch reichlich Potential für eine weitere nachhaltige Zusammenarbeit schlummert. Darauf sollten wir in Zukunft noch mehr Gewicht legen. Welch ein Unterschied alleine zwischen den OP-Sälen in Dabola und Koolo. So sauber es vor der Türe in Dabola war, so wenig konnte man den Begriff Asepsis im aseptischen OP nachvollziehen. Der Kollege Chirurg aus Dabola, Bangoura, der in der ersten Woche uns bei den Operationen assistierte, war eine wertvolle Hilfe und beide Seiten profitierten voneinander. Sein Kollege Moumini ist dann die darauffolgende Woche nicht erschienen, wie verabredet. Die alte französisch-italienische Radiologieeinrichtung des Krankenhauses ist sehr antiquiert, was man auch immer wieder an den schlechten Bildern der Patienten sieht. Die seit zwei Jahren schönen neuen Gebäude auf dem Gelände sind leider noch nicht in Funktion.

Beim Treffen mit den Dorfbewohnern wurden Danksagung und Sorgen dem Team 2 vorgetragen. Die Grundschule des Dorfes ist marode und es wurde um eine Mango-Unterstützung bei der Renovierung gebeten. Der Patientenansturm mit ihrer Begleitung im Dorf belastet weiterhin die Dorfbewohner: die Patienten und ihre Begleitung werden noch nach Tradition kostenlos beherbergt und gefuttert. Zur Reduzierung dieser Last bat der Dorfvorsteher die Patienten-Rekrutierung nach Distrikt per Radioankündigung zu prüfen.

f m

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